Im Gespäch mit der Band Four Roses (Leipzig)
 
16.02.2005

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Four Roses gehörte zu den ersten Bands, welche auf die Sachsenrock-Seite reagiert haben. Somit wird es höchste Zeit, Euer Bandprojekt näher vorzustellen. – Seit wann gibt es Four Roses, wer macht alles mit und in welchen Varianten tretet Ihr auf?


Wir sind hervorgegangen aus dem vielerorts noch bekannten reinen Kneipenduo Flecke & Co., 1992 gegründet von Heiko Flecke Flechsig und Frank Renner. Leadgitarrist Flecke ist also das einzige „Urmitglied“.

Nach diversen Besetzungswechseln gehören zur heutigen, seit 2001 als Four Roses konstant und erfolgreich arbeitenden Band Ingo Paul, Bass und Gesang – vormals Steam und fest dabei seit Mitte 2001, welcher nebenher mit der jungen, talentierten Sängerin und „DSDS“-Teilnehmerin Sabine Martick im bekannten Duo Take It Naked tourt, wenn es der FR-Kalender zulässt. Des Weiteren seit Dezember 2001 am Schlagzeug Ralph-Marcel "Ralle" Dietrich, bis vor kurzem noch mit Flecke zusätzlich bei der Leipziger Prog-Power-Metal-Band Factory Of Art (siehe Sachsenrock-Interview vom 01.11.2002) – ein Engagement, welches sich aus Four-Roses-Termin-Gründen aber nicht beibehalten ließ. Und zu guter Letzt seit 1998 Thomas "Rose" Rosanski als Leadsänger, Acoustic- und Stromgitarrero, der mit Flecke gelegentlich als Four-Roses-Duo in kleineren Kneipen und auf diversen Parties auftritt.

2
Wie würdet Ihr Eure musikalische Stilrichtung beschreiben? Wo liegen Eure musikalischen Wurzeln? Wo liegt Euer Interesse an Rockmusik begründet?


Generell ist für uns der Begriff „Rockmusik“ sehr breit gefächert, was man nicht zuletzt an unserem Repertoire ablesen bzw. hören kann. Ebenso eine Rolle spielen unsere recht unterschiedlichen musikalischen Wurzeln. Ingo zum Beispiel kommt vom Blues, den Stones, ist aber – wie wir alle – sehr an neuen musikalischen Einflüssen interessiert.

Rose hörte (und hört) viel Hardrock und Rockblues a la Whitesnake, Deep Purple, Rainbow, Led Zeppelin, Dio. – Flecke wurde von Bands mit herausragenden Gitarristen inspiriert, wie etwa Van Halen, Steve Vai oder Dream Theater. – Ralles künstlerische Prägungen liegen generell im Metal-Hardrockbereich, wie etwa Dream Theater, anfänglich spielte er jedoch in einer Punkband, dann war Independent, Bluesrock, Hardrock und schließlich Metal dran. Zwischendurch gab´s auch gelegentliche Ausflüge in Tanzbands oder Percussion-Projekte. Und jetzt wird mit Four Roses eben alles schön durcheinandergemixt, was will man mehr?

Four Roses

Four Roses, live in Schwüblingsen, 07.08.2004, Foto: Band-Archiv.

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3
Nennt bitte musikalische Höhepunkte der Bandgeschichte, an welche Veranstaltungen bzw. Auftritte erinnert Ihr Euch besonders gern, wo würdet Ihr gerne mal spielen?


Da ist mit der Zeit so einiges passiert: Zu nennen wären da das „Rabensteiner Open Air“ mit Laser- und Feuerwerkshow 2003 und 2004, der gigantische Auftritt in Schweinfurt zum „Honky Tonk“ vor mehr als 10.000 Leuten im Juli 2004, die Konzerte bei zahlreichen Stadtfesten, wie zum Beispiel in Görlitz, gemeinsam mit der Klaus Renft Combo.

Four Roses

Four Roses, Hamburg Harley-Treffen, 25.07. – 30.07.2003, Foto: Band-Archiv.

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Zum 2003er Leipziger Honky Tonk hatten wir ein großartiges Konzerterlebnis auf dem Burgplatz mit den Firebirds als „Vorgruppe“ – die Stimmung bei den mehreren tausend Leuten war „elektrisierend“, einige wichtige Personen waren vor Ort. Im selben Jahr traten wir in Hamburg auf anlässlich der dreitägigen „Harley Davidson 100th Anniversary Party“ der traditionsreichen Motorrad-Marke. Wir spielten dort neben Acts wie Saxon, Manfred Mann, Die Happy und anderen und bekamen sehr gute Resonanzen. Auch der Auftritt zum „Libori-Fest“ 2004 in Paderborn und das dortige Abschlusskonzert zum „Honky Tonk“ im September waren spektakulär.

Four Roses

Four Roses, Paderborn, Honky Tonk, Capitol Live Music Hall, 25.09.2004, Foto: Band-Archiv.

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Fotos von all diesen Aktivitäten sind selbstverständlich auf unserer Band-Homepage zu sehen.

Neben all diesen genialen Erlebnissen in Deutschland wären Auftritte außerhalb Deutschlands schon sehr interessant und spannend, diesbezüglich zeichnen sich eventuelle Konzerte in der Schweiz und Holland ab, aber schaun mer mal!

Four Roses

Four Roses, legendäres Konzert beim Honky Tonk, in Leipzig, Burgplatz, 24.05.2003

Ingo (links) und Rose, 01.00 Uhr, Die Menge tobt! Dieser Auftritt war Werbung pur für die Idee des Honky Tonk!

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4
Welche Erinnerungen habt Ihr an den Musik-Unterricht in der Schule? War das ermutigend oder eher abschreckend?


Ist ja schon ein kleines Weilchen her … Flecke hatte immer nur eine 3, weil er keine Texte auswendig lernte, weswegen er zur Strafe immer nach vorn zum Klavier musste, um sich selbst zum Textbuch zu begleiten. Ralle hatte ab der 8. Klasse überhaupt keinen Musik-Unterricht mehr, weil seine Lehrerin einen Nervenzusammenbruch erlitt und sich daraufhin weigerte, die Klasse weiterhin zu unterrichten. Bei Ingo fiel der Unterricht öfters aus, gelernt hat er dadurch nicht viel und Rose behauptet, immer eine 1 gehabt zu haben. War wahrscheinlich nicht sehr schlimm gewesen …

Four Roses

Four Roses, Wismar, 06.11.2004, Foto: Band-Archiv

5
Gibt es bereits CDs bzw. eigene Titel von Euch, mit deutschem oder englischem Text?


Ja, CDs mit Coverstücken sind von uns im Eigenvertrieb auf Konzerten oder auf Bestellung erhältlich. Im letzten Jahr veröffentlichten wir unser erstes eigenes Werk, Castles In The Sand, ein Song über die Irrungen und Wirrungen der Liebe.

Den englischen Text schrieb Rose, die musikalische Idee kam vom Flecke.

Weitere eigene Songs sind in der Schublade und warten nur darauf, endlich herausgeholt zu werden, da ist es hilfreich, dass wir nunmehr unseren ersten eigenen Band-Proberaum zur Verfügung haben. Des Weiteren wollen wir endlich unsere CD produzieren.

Four Roses

Four Roses, live in Höxter, 13.11.2004. Foto: Band-Archiv

6
Nennt bitte global agierende Musiker, deren Schaffen Ihr achtet.


Mal abgesehen davon, dass die Liste jetzt unendlich lang werden könnte, hier nur eine kleine Auswahl:

Ingo: Respekt vor allen kreativen Leuten: Jimmy Hendrix, Sting, Ian Anderson, Van Morrison, Anouk
Flecke: John Petrucci (Dream Theater), Steve Vai, Paul Gilbert
Ralle: Mike Portnoy (Dream Theater), Mike Terrana (Rage), Thomas Lang, John Bohnham
Rose: David Coverdale, Daniel Bowes & Luke Morley (Thunder), Kylie Minogue

Four Roses

Four Roses, Schweinfurt, Honky Tonk, 10.07.2004, Ralle, Rose, Foto: Band-Archiv.

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Existieren bei Euch „vor der Haustür“ (also in Leipzig und Umgebung) genügend Auftrittsmöglichkeiten?


Im Prinzip schon, aber da wir sowieso recht selten „vor der Haustür“ spielen und es uns stets weiter weg zieht, spielt das nicht so eine entscheidende Rolle.

Four Roses

Four Roses, live in Höxter, 13.11.2004. Foto: Band-Archiv

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Was macht einen guten Live-Club aus?


Nun, eine kultiges Interieur, es kann auch ruhig etwas „spelunkig“ und finster sein, zahlreich vorhandenes Publikum, eine gute Akustik, eine nett bestückte Bar für „eiinniige“ Fruchtzwerge, ausreichend Platz auf der Bühne und ein angenehmer Backstage-Bereich.

Four Roses

Four Roses, Schwüblingsen, 2004. Foto: Band-Archiv

9
Wie ist Eure Meinung über kommerzielle Medien, die Rockmusik präsentieren oder dies zumindest vorgeben?


Bis auf wenige Ausnahmen (und auch die nur bedingt), wie zum Beispiel „Rockland Radio“ oder „Rockantenne Bayern“, gibt es die doch gar nicht – oder? Aber wir lassen uns liebend gern vom Gegenteil überzeugen.

Fernsehen ist auch sehr anstrengend (Viva, MTV …), die verticken doch nur noch Handy-Klingeltöne.

Four Roses

Four Roses, live in Schwüblingsen, 07.08.2004, Flecke, Ingo, Foto: Band-Archiv.

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Rockmusik hatte – zumindest in ihren Anfängen – oft einen sozial konkreten Background, eine rebellische Attitüde. Was ist davon übrig geblieben, was leistet Rockmusik nach Eurer Meinung heute, pure Unterhaltung, was nichts negatives sein mag, so sie gut gemacht ist, oder eben doch mehr?


Unterhaltung dominiert wohl heutzutage, das stimmt schon, war sicherlich aber früher auch nicht so sehr viel anders. Wir beobachten, dass wir einerseits als „Stellvertreter“ empfunden werden, in unsere Art des Auftretens alte Muster und auch sicherlich wehmutsvolle Erinnerungen projiziert werden, die Zuhörer ihren Alltag vergessen lassen – was ist daran schlimm? Zum anderen ist da auch eine Verantwortung jungen Leuten im Publikum gegenüber, die selber Musik machen wollen und uns daher genau beobachten, sich mit uns unterhalten, Ermutigung erfahren, so wie wir das früher ja auch taten und spüren, dass man es schaffen kann, davon zu leben, so man es konsequent angeht.

So gesehen hat es schon einen gewissen sozial konkreten Background sowie eine Art von rebellischer Attitüde. Schließlich ist der Beruf des Musikers ja auch immer noch mit einigen Vorurteilen behaftet. Zu Recht oder Unrecht sei mal dahingestellt.

Four Roses

Four Roses, Felsendome Rabenstein, Rockabend, 15.01.2005, Rose, Foto: Band-Archiv.

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Thomas, von Dir ist bekannt, dass es eine „Berliner Phase“ gab, Du Dein musikalisches Glück einstmals (noch vor der „Wende“) in der Hauptstadt versucht hast. Welche Erinnerungen hast Du an diese Zeit, in welche Band-Projekte warst Du involviert usw.?


Oh, da muss ich ein klein wenig ausholen, damit man auch einen Einblick in die Zeit und die Umstände bekommt. Ich hatte 1988 in Leipzig mit der damaligen Band Badboy, zusammengesetzt aus meiner ersten richtigen Gang Weissheim und der schon wesentlich bekannteren Hard&Heavy Band Victim, erstaunlichen Erfolg.

Rose in Berlin, CAL-Club

Badboy live im CAL-Club, damals wie heute eine Discothek in der Volbedingstraße, 18.06.1988.
Foto: privat


Sänger bin ich übrigens erst seit Four Roses, damals war ich nur Gitarrist mit gelegentlichem Backgroundgesang. Das Konzept war, konsequent nur eigene, englischsprachige Songs im, na ja, Bon Jovi Stil, auch äußerlich, zu präsentieren. Wir produzierten sofort unser erstes Tape in nächtelangen Sessions, gingen alle noch nebenher arbeiten und träumten davon, ausschließlich Musik zu machen.
Dann kam die Chance: Wir fuhren wie immer mit Stolle (heute bei Downbeat) im weißen Wolga (was war das für ein Schiff) nach Berlin und spielten als Vorband von Feuerstein im berühmt-berüchtigten Berliner Heavyclub Langhansstraße über die für mich damals gigantische P.A. von Formel 1.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich backstage saß und mir Mut antrank. Ich war 22 und da draußen rannten die finstersten Typen rum, die ich bis dahin je sah und ich war mir sicher, dass wir gleich geteert und gefedert werden.

Kurzum, wir kamen gut an und wenig später erhielten wir ein Telegramm mit dem Vermerk „urgent“-dringend (ja, damals wurden noch Telegramme verschickt) vom Cobra-Management, mit einer Einladung für den Sänger und mich, nach Berlin zu kommen. Diese Band war schon auf einer Hard & Heavy LP der Amiga Kleeblatt Reihe und bekannt aus Funk und Fernsehen.

Wir waren äußerst aufgeregt. Das muss man sich mal vorstellen, wir Provinznasen saßen da in Berlin Prenzlauer Berg, bekamen Jim Beam Whiskey und Coca Cola vorgesetzt, im Videorecorder (!) liefen Van Halen, Deep Purple und Aerosmith Videos und nach und nach trudelten die Mitglieder der Band ein, die ich vor kurzem noch im Fernsehen sah. Berlin war damals das Tor zur Welt, ein Stück Freiheit und irgendwie auch nicht wie der Rest der Republik, besonders wenn man Musik machen wollte. Schließlich saß dort auch die einzige Plattenfirma.

Wir wollten da unbedingt hin, und als wir die Chance bekamen, griffen wir zu. Traurig war es nur für unsere Brüder, beide namens Stefan und erst 18 Jahre jung, die den anderen Teil von Badboy bildeten und sehr darunter litten, dass die Band sich auflöste. In der Nacht zu meinem 23. Geburtstag saß ich mit Micha (dem Sänger) in der „Bienchenbar“ in der Arthur-Hoffmann-Straße und wir stießen auf unsere neue Zukunft an, kündigten unsere Jobs und zogen nach Berlin.

Badboy in Eilenburg

Die Band Badboy am 15.11.1988 in der Stadthalle in Roses Heimatstadt Eilenburg, Foto: privat

Es war ein Sprung ins kalte Wasser, die Faszination wich sehr schnell der Ernüchterung. Wochenlanges Proben im Keller, grauer Herbst, Winter und Heimweh sowie eine gewisse existenzielle Unsicherheit zehrten an einem und ich war sehr oft zu Hause bei meinen Eltern (natürlich getrampt). Dazu kam noch, dass die Ost-Berliner Szene ein Haifischbecken war. Man stürzte sich regelrecht auf uns Neulinge und man musste immer höllisch aufpassen, wem man was erzählte, nachdem man einige Male schon ganz schön ins Fettnäpfchen trat. Aber mit dem neuen Jahr und den beginnenden Auftritten besserte sich das.

Rose in Berlin, Cobra

Rose in Berlin: Die Band Cobra. Foto: privat

Das war meine Hard-Rock-Zeit, ich war Berufsmusiker, unsere Bühnenklamotten waren bunt, selbst gemacht und sehr dem amerikanischen Stil a la Aerosmith etc. nachempfunden, wir hatten 3 Roadies, die mit einem alten Robur und der P.A. voraus fuhren und wir fuhren im Lada hinterher, sehr luxuriös für die damalige Zeit. Wir hatten eine Menge Auftritte in der ganzen Republik dank unseres cleveren Managers. Leider schafften wir es aber nicht, die fünf verschiedenen Charaktere einvernehmlich unter einen Hut zu bekommen. Daher fiel es mir leichter, ein bestehendes Angebot der Band Metall anzunehmen, wo mich gleich eine neue Erfahrung erwartete: Ein Fernsehauftritt stand an.

Es war ein Erlebnis, in Adlershof das Video zu drehen, eine eigens für uns abgestellte Mitarbeiterin bügelte meine weiße Bluse und vor dem Dreh legten wir in der Garderobe schon etwas übermütig ein beinahe rockstarmäßiges Verhalten an den Tag, tranken uns einen an und ich weiß noch, wie ich daraufhin die mir auf dem Gang zum Dreh entgegenkommende Dagmar Frederic frech angrinste; sie möge mir verzeihen.

Rose in Berlin, Adlershof

Rose in Berlin: Die Band Metall in Adlershof, Mai 1989. Foto: privat

Mit dem Song Easy Rider hatten wir, für mich unverständlich, einen 14 Wochen Hit in der „Beatkiste“, dem, wie sich später herausstellte, ein gewisser, 12 Lenze zählender Ralle aus Riesa am Radio ehrfürchtig lauschte. Wir liefen rauf und runter bei „Stopp Rock“, wie die Jugendrocksendung damals hieß und „spielten uns den Arsch ab“, wie man so schön sagt.
Als Vorgruppe von Berluc bei einer großen Open Air Veranstaltung in Brandenburg lernte ich deren Gitarristen kennen, der, wie wir feststellten, auch aus Eilenburg stammte: Bernd Fleischer.

Gern erinnere ich mich an das Pfingstreffen ´89 in Berlin, zu dem ich wie so oft zu anderen Treffen fast zu spät kam, weil ich mal wieder die U-Bahn verpasste, alle schon auf der Bühne auf mich warteten („damals also auch schon“ – Anm. vom Rest der Band), es bei strahlendem Sonnenschein ein Superkonzert wurde, wir hinterher die roten Halstücher der anwesenden Jungpioniere be-autogramm-ten und dann schnellstens zum „Palast der Republik“ chauffiert wurden, um dort ein Interview mit DT 64 zu geben, bei dem ich vom Moderator auf meinen leicht vernehmlichen sächsischen Dialekt angesprochen wurde.

Oder an das Chaos beim zweiten Videodreh im Thälmannpark im Juni ´89 für die Sendung „KLICK“, moderiert u. a. von einer gewissen Victoria Herrmann, heute aus dem MDR bekannt. Wir warteten, umringt von dutzenden Jugendlichen, auf den AWO-Motorradclub von Köpenick, der bei Easy Rider um uns herumfahren sollte. Die kamen aber nicht, also wurden kurzerhand ein paar Mokick S 51-Fahrer von der Straße rekrutiert, die dann um uns rumknatterten. War das peinlich.

Rose in Berlin, Thälmann-Park

Rose in Berlin: Video-Dreh im Thälmann-Park, 21.06.1989. Foto: privat

Aufregende Zeit, nicht immer Sonnenschein und ich lernte bekannte Leute der damaligen Ära flüchtig kennen. Meine „Berliner Phase“ prägte mich und ließ mich einige Erfahrungen sammeln.

Heute kann ich sagen, dass ich nicht nur glücklich sondern auch stolz bin, Teil einer Band zu sein, der nicht nur die musikalischen, sondern auch die menschlichen Ansprüche sehr wichtig sind.

Weitere Fotos und Geschichten sind übrigens auf meiner bald erscheinenden eigenen Homepage einzusehen, zu der dann ein Link von der „Four Roses“-Seite (und natürlich auch von der „Sachsenrock“-Seite – der Webmaster) führen wird!

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Ingo, erzähle bitte von Deinen wiederholten Bemühungen um den musikalischen Nachwuchs (workshops etc).


Man kann es „Band-Coaching“ nennen. Ich betreute unter Federführung des MJV Rüsseina wiederholt in den Ferien junge Bands über mehrere Tage, nahm als Verantwortlicher teil am Deutsch-Holländischen Jugendaustausch. Dazu gekommen bin ich durch Henri Dassler (jetzt bei jamboree, vormals gemeinsam bei Steam). Er war schon als Jugendlicher beim MJV und so ergab sich alles … Jetzt macht auch schon Sabine (TIN) engagiert mit und gibt Gesangsworkshops, ebenso Ralle, der immer alte Felle und Becken beisteuert … Hahaha! War nur´n Witz …

Ingo beim MJV

Ingo coacht beim MJV, rechts: Ingo´s Tochter, rockmusikalische Nachwuchs-Hoffnung.
Fotos: Archiv MJV


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Welche Bedeutung hat das Internet für Euch?


Ein wertvolles Medium, zweifellos. Ralle ist bei uns der Webmaster. Wir freuen uns über die vielen Zugriffe; unser Tour-Tagebuch sowie das Gästebuch erfreuen sich großer Beliebtheit. Wir sind gerade dabei, die Kommunikation mit den Fans auf unserer Band-Plattform noch wesentlich zu intensivieren.

Four Roses im Internet: www.fourroses.de

Four Roses

Four Roses, live in Schweinfurt, Foto: Band-Archiv

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Ihr pflegt ausführlich, wie eben erwähnt, Euer Band-Tagebuch. Warum unterzieht Ihr Euch dieser Mühe, wie löst Ihr dies organisatorisch, erlebt Ihr Reaktionen darauf?


Mühe würden wir es nicht gerade nennen, eher ein Bedürfnis, mitzuteilen, was alles so außerhalb der Auftritte passiert. Zum einen haben wir selber Spaß daran, manches noch mal aufzubereiten und zu verewigen, zum anderen verhindern wir, das Berichtenswertes in Vergessenheit gerät. Praktisch läuft es dergestalt, dass zumeist Rose eine Grobfassung schreibt, wo dann möglichst „on the road“ im Tourbus – teils teils alle noch „ihren Senf dazugeben“. Wir wissen, dass viele Fans die Texte ausdrucken; es treffen auch schon mal „Mahnungen“ ein, wenn die nächste Aktualisierung auf sich warten lässt, wie eben erst passiert ist.

Irgendwann wird mal ein Tourtagebuchheft in gedruckter Form erhältlich sein, so in zehn Jahren und 1.000 Seiten dick …

Four Roses

Four Roses, Schwüblingsen – Begeisterung vor und dann auf der Bühne, 2004. Foto: Band-Archiv

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Die Meinungen über die Leipziger Rockszene gehen auseinander, doch ab und an schafft man es glücklicherweise vor Ort, gemeinsame Aktionen auf die Beine zu stellen, z. B. Deich Rock oder die Christmas-In-Rock-Editionen, an der regelmäßig auch Four-Roses-Mitglieder beteiligt sind. Was meint Ihr, sollte es mehr solcher Events geben, was haltet Ihr von der Qualität der Rockmusik in der Messestadt?


Wir finden die Leipziger Rockszene ganz in Ordnung, es war früher schlimmer zwischen den Bands. In den letzten Jahren ist ein sehr kollegialer Umgang zu beobachten. Sei es, dass man sich mit gegenseitigen Auftritten hilft und talentierte Bands unterstützt. Oder sich gegenseitig zu Konzerten einlädt, wie beispielsweise am 06.03.2004 zur Rocknacht in die Schkeuditzer „Sonne“, wo zu den Konzerten von The Flaming Rocks, Berluc und The Art Of Voices viele Leipziger Musiker-Kollegen anwesend waren.

Und nicht zuletzt die oben genannten Christmas In Rock-Events, wobei alle Künstler für einen guten Zweck an einem Strang ziehen, immerhin auf ihren Gage verzichten. Die letzten CDs erzielten bekanntlich gute Verkaufszahlen, die Veranstaltungen selber waren durchaus professionell organisiert und haben den Teilnehmern Spaß gemacht.

Schade ist nur, dass wir bislang nie als Four Roses einen Beitrag beisteuern konnten.

Four Roses

Four Roses, gemeinsam mit City in Markkleeberg, 08.05.2004, Foto: Band-Archiv

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Was inspiriert Euch künstlerisch?


Rose:
Sex, Drugs and Rock´nRoll … Im Ernst, gute andere Bands, wo musikalisch was passiert, die mit Ernsthaftigkeit zur Sache gehen. Ich bin z.B. eben erst dem Flugzeug entstiegen, war gestern in London beim Konzert von Glenn Hughes, dem ehemaligen Bassisten von Deep Purple, und es inspiriert mich immer wieder, wenn ich sehe, wie so langjährige (und langhaarige) Haudegen immer noch auf der Bühne alles geben, Spaß haben und wie viele Leute sich dafür begeistern. Das spornt ungeheuer an. Es liegt doch schließlich an uns, wie wir unser Leben gestalten und der Rock´n Roll sollte da schon dabei sein.

Four Roses

Four Roses, bei Leipzig Fernsehen, Studio 3, 28.04.2004

von links: Flecke, Ralle, Rose, Ingo – Klickt bei Interesse zur Vergrößerung auf das Foto.


Ralle:
Ich war vor kurzem bei Simon Phillips (Drummer von Toto) in Berlin, ein Geburtstagsgeschenk der Rosen. Es ist einfach unglaublich, solchen Koryphäen live auf die Finger zu schauen und eine ungeheuere Motivation, sich wieder mal hinzusetzen und zu üben. Auch meine neuesten DVD-Errungenschaften von Benny Grebb und vor allem vom Schweizer Drummer Thomas Lang sind ungeheuer inspirierend. Des Weiteren natürlich Veröffentlichungen diverser Bands, wie z.B. Soilwork, die mich mit ihrem Mix aus Death und neuen Musikeinflüssen immer wieder umhau´n.

Four Roses

Ralle, Leipzig, Burgplatz, 24.05.2003. Klickt bei Interesse zur Vergrößerung auf das Foto.

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Habt Ihr Eure Entscheidung für die Musik je bereut?


Nein, nie – höchstens nicht schon eher damit angefangen zu haben.
Musik zu machen ist für uns schon genau das Richtige!
Siehe dazu auch die vorige Antwort.

Ralle ist nebenher noch als Webmaster und Programmierer für andere tätig.

Four Roses

Four Roses, gemeinsam mit City in Markkleeberg, 2004, Foto: Band-Archiv

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Worin besteht für Euch der Reiz des Live-Auftritts?


Das unmittelbare Feedback, welches wir erleben, die einzigartige und unbeschreibliche Atmosphäre eines Auftritts, die immer noch vorhandene Aufregung und das Lampenfieber. Toll ist es, wenn es uns gelingt, in „Läden“, wo wir noch nie aufgetreten sind, offensichtliche Skeptiker von unserer musikalischen Qualität zu überzeugen, zu erleben, als „Geheimtipp“ behandelt zu werden, der sich in der Szene herumspricht. Auch die Vorfreude auf ein „Heimspiel“ ist nicht zu verachten. So etwas stellt sich zum Beispiel ein, wenn wir nach Kassel fahren, um im „Fiasko“ oder der „Destille“ zu spielen! Und es ist auch immer wieder unglaublich, wie viele Fans uns wie weit nachreisen und was da schon für eine Kommunikation untereinander herrscht. Schön, wenn man in der Fremde auf bekannte Gesichter trifft!

Four Roses

Four Roses – begeisterte Fans in Schweinfurt, Foto: Band-Archiv

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Was sind die nächsten Vorhaben?


Jede Menge Konzerte zu geben und, wie bereits erwähnt, die neue CD zu veröffentlichen. Zudem streben wir danach, neue Clubs kennen zu lernen, unseren Aktionsradius beständig auszudehnen. Wir schreiben an neuen eigenen Songs, haben aber auch stetig neue Coversongs im Blick, z.B. schnellstens mal Ronan Keatings „Nothing At All“ covern … (Rose, lacht) … oh nein, war ein Scherz, das kann ich Ingo, dem Strengen, nicht antun. Auch wollen wir unseren Proberaum, den wir seit einiger Zeit besitzen, besser auslasten und die Merchandising-Schiene ausbauen. Des Weiteren brauchen wir auch dringend einen größeren Bandbus.

Und wir freuen uns sehr, euch auf unseren zukünftigen Konzerten, wo auch immer, wieder zusehen.

Vielen Dank, HaPe, für das Interview.

Der Milchkaffee schmeckt in der MB übrigens auch sehr lecker … und der Kuchen erst … mit Schlagsahne hmm … jetzt ist aber Schluss!

Long Live Rock´n Roll!

Zum Ausdrucken:

Interview als Text-Dokument

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Four Roses im Internet: www.fourroses.de

Ralph-Marcel Dietrich im Internet: www.joomla-leipzig.com

Take It Naked im Internet: www.takeitnaked.com