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Fragen an die Band Eisenheinrich (Leipzig- Lützschena)

03.07.2004

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1
Wie kam es zur Produktion der aktuellen, wunderbaren, CD Hälfte des Lebens?


Die Idee trug Gerhard Pötzsch von der Edition hoerwerk an uns heran, ein gestandener und geschulter Literat. Er hatte eine große Lyrik-Auswahl, Werke aus fünf Jahrhunderten, zur Vertonung zusammengestellt – ein stimmiges Angebot, welches sich mit unserer Befindlichkeit deckt. Schließlich befinden wir uns an einem Punkt, einer Zäsur, der sogenannten Hälfte des Lebens. Wir fühlen uns vital, haben Spaß, wollen weiterhin künstlerisch arbeiten, so dass wir uns rasch mit diesem Projekt identifizieren konnten. – „Sturmerprobte“, ebenso lebenserfahrene Musikerkollegen konnten wir mit unserer Begeisterung anstecken, sie halfen uns, die CD hier im Sternburg Studio Lützschena einzuspielen. Massa Großwig, Frank Renner und Thomas Hanke sind zu nennen. Den Kollegen ging es nicht ums Geld, sie waren wie wir von der Idee überzeugt und konnten sich in die Stimmungslagen der Songs gut einfühlen. Die Arbeit dauerte vom Dezember 2003 bis zum Februar 2004.

Eisenheinrich

Eisenheinrich 2004

Nicht zuletzt soll die CD junge Leute mit teilweise lyrisch streng gebauten Texten konfrontieren, für Sprachwelten begeistern, die so gar nichts mit der oftmals platten, sinn-entleerten, von Anglizismen durchzogenen Alltagssprache aufweisen. Es ist frappierend, welche Aktualität, gestalterische Präzision und menschliche Tiefe in diesen Sprachschöpfungen steckt, vor allem, wenn man das oft noch junge Lebensalter der Autoren zum Entstehungszeitpunkt berücksichtigt! – Die Auseinandersetzung mit diesen Werken ist für uns mit der CD-Produktion nicht abgeschlossen, vielmehr integrieren wir die Titel in unser Live-Programm.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass uns das cover artwork, erstellt durch eine bekannte Leipziger Werbefirma, richtig klasse gefällt.

2
Seit wann gibt es die Band Eisenheinrich, Lutz und Erbse, sagt bitte etwas über Euern musikalischen Werdegang.


Die Band Eisenheinrich gibt es seit 1994, im Augenblick gehören Lutz Heinrich, Hans Erbse Moser und Bernd Haucke dazu. Wobei Lutz und Erbse auch als Duo auftreten, Bernd, der in Berlin lebt, ebenso bei Starfucker trommelt.

Lutz, gelernter Schmied, stammt aus Gröditz, wo August der Starke einst ein Schießfeld unterhielt, um Kanonen auszuprobieren. Lutz macht seit der Kindheit Musik, kein geringerer als Cäsar holte ihn schließlich nach Leipzig. Im Jahre 1970 wurde Set gegründet, Bernd Haucke saß am Drum, Lutz war bis 1980 dabei, auch Erbse gehörte zwischenzeitlich dazu.

In den 80er Jahren arbeitete Lutz „auf dem Solo-Trip“ mit entsprechenden Programmen, musste zudem eine Reihe Aushilfsjobs annehmen – dies waren nicht immer nur leichte Zeiten. Nach der Wende, 1990, kam es zur Reunion der Klaus Renft Combo, Lutz war bis 1993 dort Sänger und Gitarrist. In dieser Phase sind wir beide, (also Lutz und „Erbse“ – der Verf.), uns künstlerisch wieder „über den Weg gelaufen“, was in der Gründung von Eisenheinrich gipfelte.

3
Nennt bitte CDs, weitere Eisenheinrich-Alben.


Da ist mit den Jahren einiges zusammengekommen:

Eisenheinrich (bietet eine Aufarbeitung, der Titel „Hollywood“ war früher nicht durchs Lektorat gegangen, hatte in „Feuerwerk“ umbenannt werden müssen!)

Ärger

Blues und Ärger

FC Sachsen – ein KULT-Verein wird 100, ein volks- und fußballverbundenes Album, welches unsere Liebe zu diesem Leipziger Traditionsverein zum Ausdruck bringt und auf dem zahlreiche bekannte Künstler mitwirken. Auf dem CD-Cover ist ein grün-weißes Schwein vor der Tribüne des Alfred-Kunze-Sportparks zu sehen. Wir haben sogar mal als „BSG Eisenheinrich“ an einem Leutzscher Fußballturnier teilgenommen.

Hälfte des Lebens (2004)

4
Tretet Ihr lieber live auf oder werkelt Ihr lieber im Studio?


Wir spielen gerne live, das muss man sagen, schätzen freilich ebenso die Studioarbeit, zumal hier in den eigenen, entsprechend ausgestatteten Räumlichkeiten. Wir sind gegen jegliche „Gigantomanie“ beim Recording- und Nachbearbeitungsprozess – das könnte sehr wohl als Credo unserer Herangehensweise gelten. Die Musik muss sich live, von Hand gespielt, entsprechend reproduzieren lassen. Bei uns gelangen nie irgendwelche Midi-Files zum Einsatz, laufen keine geheimnisvollen Maschinen im Hintergrund.

5
Was waren bislang herausragende Konzerte Eurerseits?


Da fällt uns ein Auftritt ein zum Libori-Samstag, am 27. Juli 2002, im katholisch geprägten Paderborn, wo 2500 Zuschauer völlig aus dem Häuschen waren. Honky Tonk meets Libori – die Menschen waren sehr aufgeschlossen, standen auf unsere Musik. Zudem waren wir mal mit der Oldie-Band Sweet auf Tour durch Deutschland und Österreich.

6
Welche Bedeutung hat das Internet für Euch?


Wir haben natürlich eine eigene Homepage, die die wichtigsten Informationen bereithält. Wir delegieren diese Dinge an unseren Webmaster.

Eisenheinrich im Internet: www.eisenheinrich.de

7
Habt Ihr jemals Förderung erhalten?


Nein, nie. Wir realisieren alles aus eigener Kraft, worauf wir durchaus stolz sind. Gerhard Pötzsch wäre nochmals zu nennen, der uns mit hoerwerk unterstützt – für sein Entgegenkommen danken wir ihm wirklich sehr. Darauf zu hoffen, von irgendwelchen West-Produktionsfirmen entdeckt und „gepusht“ zu werden, ist vergebliche Liebesmüh. Das passiert nicht! Man muss sich schon selber durchbeißen oder sollte es lassen. Wir versuchen, solidarisch zu sein, gemeinsam mit regionalen Kulturveranstaltern und Musikern etwas auf die Beine zu stellen, für die Fans vor Ort da zu sein.

8
Sagt bitte etwas zum Sternburg-Studio in Lützschena.


Das Studio liegt unweit der ehemaligen Sternburg-Brauerei und ist somit ein weiterer Beweis unserer Lokalverbundenheit. Es handelt sich um das einstige Braumeisterhaus. Der Braumeister war zuständig für die Qualität des Bieres. Welch stimmungsvoller Ort!

Wir haben hier mit den Jahren verschiedenste Stilrichtungen bedient bzw. Künstler produziert, bis hin zum Metal-Bereich.

9
Wie ist Eure Meinung über kommerzielles Musikfernsehen, Rundfunk, Star-Castings und dergleichen?


Kindergarten – Große Gruppe! Das Format-Radio ist der Untergang der deutschen Radiokultur. Kein Thema. Oder besser: Themenwechsel!

10
Gibt es in Leipzig genug Auftrittsmöglichkeiten, wie würdet Ihr die gegenwärtige Leipziger Musikszene einschätzen?


Die hiesige Szene wird gemeinhin unterschätzt, sie ist sehr vielfältig. Mitunter agieren einzelne Projekte bzw. kulturelle Bestrebungen nebeneinander her, ohne voneinander Notiz zu nehmen. Leipzig bietet, in zahlreichen locations, fast jeden Abend Live-Musik und dabei ein Podium für verschiedenste Künstler.

Sachsen kann man getrost als Wiege der ostdeutschen Rockmusik bezeichnen, viele, mittlerweile international bekannte Musiker, unterdessen in Berlin oder anderorts ansässig, stammen von hier.

11
Der Produktiv e.V. agiert unter dem Motto Kultur ist machbar, stellt ein breites Veranstaltungsspektrum auf die Beine. Wie leicht oder wie schwer fällt dies in Sparzeiten? Nennt bitte Aktivitäten des Vereins.


Ein fester Stamm von Leuten engagiert sich stetig und unbeirrbar für Kultur, außerhalb des kommerziellen Rahmens. Rock am Turm wäre zu nennen, Classic im Park, beides findet in Leipzig-Lützschena statt. Die Reihe und das Leipziger Art Festival (das etwas andere Familienfest) bereichern das kulturelle Angebot in Leipzig.

Es gab den Deich-Rock, wo hiesige Künstler 2002 ein Benefiz-Konzert für vom Hochwasser Geschädigte veranstalteten. Weiterhin haben wir CDs für Kinder produziert. Neben der Musik spielt etwa die Malerei eine nicht unwesentliche Rolle.

Der Produktiv e.V. plant, das Leipziger Art Festival, trotz mangelnder Unterstützung durch die Stadt Leipzig, im September fortzuführen.

12
Nennt bitte Musiker, deren Schaffen Ihr achtet.


Eric Clapton, Jack Bruce, Paul McCartney, The Rolling Stones, Ray Charles, ToTo, Frank Zappa, Van Morrison, die alten Blues-Säcke – kurzum, Musik, die ehrlich gemacht ist, wo Künstler sich selbst treu bleiben.

13
Gibt es Wünsche, Pläne, Vorhaben?


Künstlerisch weiterzuarbeiten, keine Frage. Wir haben bereits mehrere neue „Rock-Nummern“ in der Schublade. Musiker und Publikum sollen auch künftig jeweils zufrieden sein. Wenn wir auf der Bühne stehen, öffnen wir unsere Seele – sofern die Fans dies bemerken und wir uns im Gleichklang befinden, ist dies wunderbar.

Am 31. Juli wird an der Auwaldstation (Schlossweg 11) im Schlosspark Lützschena 5 Jahre Produktiv e.V. begangen. Eisenheinrich und weitere namhafte Musiker werden auftreten. Lutz Heinrich feiert hierbei übrigens seinen 50. Geburtstag!

Weiterhin ist die Record Release Party für Hälfte des Lebens geplant. Wir geben dies rechtzeitig bekannt.


Eisenheinrich im Internet: www.Eisenheinrich.de