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Interview 20 Jahre YATRA (Köln, …)

01.10.2004

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Was verbirgt sich hinter YATRA, welche Musiker sind im Augenblick beteiligt?


Hinter YATRA verbirgt sich ein seit dem Jahre 1984 existierendes Projekt mit Avantgarde- bzw. Multivisionsmusik. Peter K. Kühnel gründete damals im Osten Deutschlands eine Musiker- und Solistenvereinigung, deren musikalisches Schaffen seither unter wechselnden personellen Konstellationen von zeitloser Wirkung bleibt, die stimmungsvolle Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen lassen und Fantasien freisetzen möchte. Globale ethnische Einflüsse werden verarbeitet, Naturinstrumente und moderne Electronic zusammengeführt. Das Wort YATRA stammt aus dem Indischen und bedeutet etwa „Reise, Pilgerfahrt, Zusammentreffen“ oder auch „Treffen an einem Ort“.

20 Jahre YATRA

20 Jahre YATRA, Peter K. Kühnel.

Verschiedene Instrumente und geschichtete Spähren, einzig mit der Synth-Guitar erzeugt, vermengen sich mit einem gewaltigen Percussions-Instrumentarium, einem asiatischen Gongplay und den verschiedensten Trommeln zu einem rhythmischen, streckenweise tranceartigen musikalischen Fluss. Das Wechselspiel von verschieden gestimmten acc-guitars, Flöten, Vokalisen-Gesängen und mittels e-drums aufbereiteter rhythmischer Grooves mit sanftem orientalischen und asiatischen Flair nimmt die Zuhörer ein ums andere Mal gefangen! Es existiert ein dramaturgischer „roter Faden“, der freilich den Künstlern individuelle Freiräume lässt, die intuitiv musikalisch ausgeformt werden. Dies erfordert eine wache Teilnahme der Beteiligten am Ablauf, macht jedes Konzert originär. Wir verwenden beispielsweise Skalen, die auf alte Kirchentonarten zurückgehen (u. a. Heinrich Schütz) sowie Bordun-Töne aus der indischen Musiktradition, worauf dann Melodien aufgebaut werden.

Derzeit arbeiten folgende Kollegen an diesem Projekt:
Peter K. Kühnel, Köln; sitar, acc-guitar, synth-guitar, rubab, flute, voc, percussion
Norbert Jäger, Meißen, u. a. einer der Gründer der Stern-Combo Meissen; tabla, percussion, electronic percussion
Günther Janocha, Leipzig; e-drum, percussion
Ismail Tarlan, Türkei; dharabuka

Diese illustre Gruppe von hochkarätigen Künstlern und Sound-Individualisten hat sich im Frühjahr 2004 neu gefunden. Wir proben derzeit intensiv, um uns auf eine Reihe von Konzerten in diesem Herbst vorzubereiten. Die musikalischen Inhalte haben sich unterdessen komplett geändert, wir arbeiten an vollkommen neuem Material.

20 Jahre YATRA

20 Jahre YATRA, Norbert Jäger, Günther Janocha, Ismail Tarlan

Zu den Besonderheiten des Angebots gehört die Tatsache, dass YATRA an speziellen Locations zur Aufführung gelangt bzw. auch nur dort die rechte Wirkung entfalten kann. Ein Projekt wie das unsere funktioniert nicht in herkömmlichen Mini-Clubs oder gar Discotheken. So sind wir beispielsweise in den Innenhöfen von Museen zu erleben oder ebenso in alten, stillgelegten Industriehallen. Sacrale Räume mit klassischer Bühnenkonstellation sind es, wonach wir suchen, um uns und die Zuhörer in alltagsferne Klang-Erlebnis-Welten zu entführen. Für die nahe Zukunft ist der Versuch angedacht, YATRA-Elemente mit der Techno-Szene zu koppeln, was zu gewiss reizvollen Synergien führen könnte. Ebenso überlegen wir, visuelle Elemente – Projektionen und dergleichen – zu integrieren.

Wobei anzumerken ist, dass es keiner speziellen Vorbildung bedarf, etwa intensiven Studiums der Geschichte diverser Mythologien, von Musik und Kunst, um YATRA zu verstehen: Jeder interessierter Zuhörer ist uns willkommen, wird „an die Hand genommen“ und in den Kosmos unserer Multivions-Musik „geleitet“, welcher verschiedenste Emotionen berührt, den heutzutage arbeitsteilig vielfältig in Angespruch genommenen Rezipienten wieder zu sich selber führt.

2
Der Person Peter K. Kühnel ist es maßgeblich zu verdanken, dass YATRA dereinst gegründet wurde und noch heute existiert. Peter, berichte bitte von wichtigen Stationen Deiner musikalischen Karriere.


Im Jahre 1969 begann ich mein Studium der Komposition und Gitarre an der „Hochschule für Musik Carl Maria von Weber“ in Dresden. 1972 schloss sich ein Studium innerhalb einer Spezialklasse für Jazz in Berlin an. Im Jahre 1975 spielte ich in der Nina-Hagen-Band, komponierte erste Filmmusiken. 1988, also noch vor der Wende, war es mir vergönnt, klassische indische Musik an der „Sangeet Research Academy“ in Bombay, Indien, zu studieren, bei Pandit Arvind Parikh und Raffat Khan; Studienreisen führten mich nach Mittelasien und Algerien. 1992 schuf ich die Bühnenmusik zu „King Lear“ am Staatsschauspiel Dresden. Im Jahre 1999 komponierte ich die Oper „Krematorium“ für Prof. Markus Lüpertz, dem Maler und Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. Dies sind – wie gesagt – einige meiner Stationen der letzten Jahrzehnte.

3
Nennt bitte herausragende Auftritte der letzten Jahre.


Zu nennen sind das „YATRA-Comeback“-Eröffnungskonzert im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, anlässlich des Festivals „Rock The Integration“ (30 Jahre Worldmusic Made in Germany), wo wir quasi als einzige frühere „Ostband“ eingeladen waren; ebenso ein Konzert innerhalb der Reihe „Jazz in der Kammer“, Magdeburg – um zwei Ereignisse speziell der jüngeren Band-Geschichte anzusprechen. In zwanzig Jahren gab es selbstredent eine ganze Reihe bemerkenswerte Konzerte, welche aufzuzählen aber den Rahmen sprengen würde …

4
Welche Bedeutung hat das Internet für Euer Projekt?


Wir haben eine eigene Homepage, das ist in der Gegenwart unerlässlich. Die Inhalte der Site erfahren regelmäßige Pflege, wir bieten Termine, Texte und Bilder. Der YATRA-Begriff des Sich-Treffens an einem Ort, auch die Vorstellung von „Reise“ erfährt hierbei eine neue, gleichsam virtuelle Dimension.

YATRA im Internet: www.yatra-music.de

5
Gibt es Schallplatten bzw. CDs von YATRA?


Zu nennen sind:
Kleeblatt Nr. 16, Jazz Kaleidoskop; Diese Vinyl-LP erschien bei Amiga 1986, aufgenommen im Amiga-Studio in Berlin 1985
The Third Eye; Diese CD erschien 2000, sie ist die Vertonung des Buches „Das dritte Auge“ von Lobsang Rampa. Erzählt wird darin die Lebensgeschichte eines tibetischen Mönches.
Live-CD Comeback; Livemitschnitt des Eröffnungskonzerts „Rock The Integration“ im Haus der Kulturen der Welt (30 jahre Worlmusik – Made in Germany), im Jahre 2000
CDs Eartransport und Yatra
Info-CD 20 Jahre Yatra

6
Sagt bitte etwas zu Verhältnis von Studio-Arbeit und Live-Auftritten.


Ein Projekt wie das unsere bedarf schon eines erheblichen Vorbereitungsaufwands. Wir verbringen Tage damit, das Sound-Design zu entwickeln, Geräusch-Collagen zu kreieren, Grooves einzubauen, ein in sich stimmiges rhythmisches Gefüge zu definieren. Wir verwenden eine Trigger-Wand, die individuell mit Sounds belegbar und mithin sogar in der Lage ist, die Melodieführung zu übernehmen.

All das kostet eine Menge Zeit des Einrichtens, Tüftelns und Probierens; es bedarf der Bereitschaft, Ideen reifen zu lassen, immer wieder neu zu hinterfragen und fortzuentwickeln. Wir sind, um unseren ästhetischen Ansprüchen zu genügen, geradezu verpflichtet, an den neuesten technischen Entwicklungen dranzubleiben. Während wir in früheren Jahren ausschließlich akustisch instrumentierten, hat mit den Jahren natürlich die moderne Elektronik Einzug gehalten.

7
Gibt es im globalen Zusammenhang Musiker, deren Schaffen Ihr achtet?


Jan Garbarek ist zu nennen, ebenso John McLaughlin, der Percussionist Trilok Gurtu.

8
Nennt bitte einige Auftritte, die die nahe Zukunft bereithält.


Am 07.10.2004 spielen wir anlässlich des Internationalen Festivals Jazzmeile Erfurt im Erfurter Rathaus-Saal, am 08.10.2004 kann man uns im Dresdner Club „Passage“ erleben, am 10.10.2004 bestreiten wir ein vom Kölner Stadtanzeiger organisiertes Konzert in der Rhein-Metropole und am 17.12.2004, kurz vor Weihnachten, sind wir in der Agnes-Kirche, Altenburg, zu Gast.

YATRA im Internet: www.yatra-music.de