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Fragen an Bodenski

27.03.2009

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1
Am 27.03. erscheint Euer neues Album Kreuzfeuer. Handelt es sich dabei um ein durchgeplantes Konzept-Album oder war bei der Produktion Raum für spontane künstlerische Ideen?


Der Kreativprozess verhält sich bei uns von Album zu Album anders. Eine Zeit lang war es primär so, dass unser Gitarrist Ingo Hampf die Zügel in der Hand hatte. Bei Nord Nord Ost folgten wir sogar vollkommen seinem Konzept. Bastard ist dagegen eher aus mehreren Jam-Sessions heraus entstanden, bei der jeder etwas beigetragen hat. Viele Lieder sind auch wirklich erst im Studio fertig gestellt worden, von daher passte da natürlich auch der Titel perfekt. Für Kreuzfeuer haben wir nun diese beiden Erfahrungswerte mit einander verbunden. Kreativer Input von allen, aber kanalisiert. Das macht das Album sicher so lebendig, gleichzeitig aber sehr homogen.

Subway To Sally

Subway To Sally 2009

Sugar Ray, Simon Schmitt, Ingo Hampf, Bodenski, Frau Schmitt, Simon, Eric Fish (von links)

Foto (c) Band


2
Euer Drummer Simon Schmitt – Simon, der Jüngere – der Dein kleiner Bruder sein könnte, hat sich in der Band etabliert. Konnte er sich auf dem neuen Album auch künstlerisch einbringen?


Auf jeden Fall. Als Simon damals durch die Tür kam, suchten wir einen sehr guten Drummer, den wir in ihm auch fanden. Dass wir ganz nebenbei einen kreativen Tausendsassa in die Band geholt hatten, wurde aber erst nach und nach sichtbar, weil er direkt nach der Produktion von Nord Nord Ost einstieg und wir erst einmal zwei Jahre auf Tour waren. Schon bei Bastard steuerte er Kompositionen bei und auf dem aktuellen Album ist sein kreativer Anteil kaum geringer als der, der anderen Songschreiber der Band.

3
Wie lange dauerte der Schaffensprozess an Kreuzfeuer, wo wurde produziert, wie waren die Aufgaben verteilt?


Alles in allem, braucht ein Album ca. ein Jahr, um zu reifen. Meist beginnt es mit den Entwürfen zu den Texten, dann kommen nach und nach die Kompositionen hinzu. Wir spielen die Sachen im Proberaum, nehmen sie auf und gehen dann an die Details. Wenn alle Titel fertig arrangiert sind, kann man ins Studio gehen. Erst dann beginnt die eigentliche Produktion. Aufgenommen und gemixt wurde im Horus-Studio in Hannover.

Das neue Album wurde von Fabio Trentini produziert, einem versierten Live- und Studiomusiker, der als Bassist schon mit Pete Smith (Produzent von Sting) und mit Musikern von King Crimson arbeitete. Zwischen 2003 und 2007 war Trentini Mitglied der H-Blockx, für die er auch Co-Produzierte. Als Produzent saß er schon für die Donots, die Guano Apes, IO und vielfältige andere Acts hinter den Reglern.

Wir lernten Trentini bei den Aufnahmesessions im Horus-Studio kennen, als dort das Album BASTARD entstand. Die Chemie stimmte so gut, dass die Band ihn als Produzent für das nächste Album gewinnen wollte.

4
Wie sucht Ihr Euch die Album-Titel aus?


Das kann ein sehr langer und schwieriger Prozess sein. In der Regel werden schon frühzeitig Ideen in den Ring geworfen. Ein Albumtitel sollte nach Möglichkeit den Spagat zwischen der Befindlichkeit der Band und dem Inhalt des Albums hinbekommen. Wir hatten diesmal etwa fünf ernsthafte Kandidaten. Am Ende haben wir in einer geheimen Wahl abgestimmt. Kreuzfeuer hatte mit Abstand die meisten Punkte.

5
Das Jahr 2008 war für Subway To Sally sehr arbeitsreich bzw. exzessiv: Ihr tratet als Sieger hervor beim Bundesvision Song Contest, habt eine umfangreiche Live-Tour absolviert, das neue Album eingespielt, die traditionelle Jahresend-Tour unternommen. Steckt Ihr dieses Pensum als Profis einfach weg oder bleiben Spuren?


Das ist eigentlich keine Frage der körperlichen Konstitution. Andere Menschen gehen ja auch täglich zur Arbeit und haben nur einige freie Wochen im Jahr. Das Problem ist eher, dass die vielen Aktivitäten, die der Erfolg so mit sich bringt, den kreativen Prozess untergraben. Man hat im Tourbus ja keinerlei Privatsphäre, da ist texten oder komponieren kaum möglich. Unsere Arbeitsweise ist sehr zeitintensiv und es wird mit den Jahren auch nicht einfacher, sondern eher schwerer. Also haben wir uns zusammengesetzt und beschlossen, genau für diesen wichtigen Teil unserer gemeinsamen Arbeit etwas mehr Zeit zur Verfügung zu stellen.

6
Wie weit im Voraus plant Ihr für gewöhnlich?


Das Klischee vom planlosen Künstler trifft auf uns nicht zu. Die Zusammenarbeit mit Agenturen, Verlagen und Plattenfirmen zwingt uns zu einer langfristigen Planung. Große Open Air Konzerte wie Wacken z.B. werden zwei Jahre im Voraus geplant. Das ist so in etwa auch der Zeitraum, den wir im Überblick behalten müssen.

7
Ihr konntet 2008 einen Blick werfen hinter die Kulissen von ProSieben / TV-Total. Welcher Eindruck ist geblieben? Wie eng ist die Beziehung von Stefan Raab zu geladenen Musikern? Hattet Ihr Kontakt zur Haus-Band Heavytones? Und hat Stefan, wie angekündigt, eines Eurer Konzerte besucht?


Stefan war sehr freundlich, aber distanziert. Ich glaube, dass es mit seiner Rolle in der Medienwelt zu tun hat. Er geht ja auch über keinen roten Teppich und hält sein Privatleben weitgehend geheim. Er hat sich mit uns einige Male interessiert unterhalten, aber Freunde sind wir deshalb noch lange nicht. Ich glaube auch nicht, dass er auf ein Konzert kommen wird. Warum auch, es ist ja nicht seine Musik.

Seine Band besteht aus lauter Vollprofis. Die kamen erst kurz vor der Sendung und verschwanden auch schnell wieder. Wir haben ein wenig Technik-Talk gemacht – mehr nicht.

8
Ihr hattet Euch mit dem Schlachtruf Für Brandenburg! ins mediale Getümmel gestürzt und einen glänzenden Sieg eingefahren, dabei eben auch Promotion für die Heimat gemacht. Gab es hinterher von offizieller Seite eine Reaktion, hat – um sprachlich im Bilde zu bleiben – der Landesfürst gerufen?


Ganz offiziell und von höchster Stelle kam am nächsten Tag ein Fax vom Ministerpräsidenten. Einige Wochen später, als es sein Terminkalender zuließ, lud er uns zu Schnittchen und Bier in die Staatskanzlei ein und nahm sich eine Stunde Zeit für uns. Als Botschafter für Brandenburg machen wir ja einen guten Job, insofern haben wir diese Anerkennung wohl auch verdient.

9
Beobachtet Ihr im Laufe der Jahre Änderungen im Verhalten der Fans? Entschwinden augenscheinlich welche, kommen neue hinzu? Welche Möglichkeiten bietet das Internet Band und Fans, miteinander zu kommunizieren?


Wenn wir zusammen mit unseren Fans altern würden, dann wäre unser Schicksal wohl das vieler Bands: Wir würden langsam von der Bildfläche verschwinden. Wir beobachten einen stetigen Zustrom von neuen Gesichtern und immer wieder jungem Nachwuchs, der offensichtlich vom Subway-Virus befallen wird. Natürlich freuen wir uns über jeden Fan, der uns über die Jahre treu bleibt. Wahrscheinlich ist es genau diese Gradwanderung, die uns interessant macht: Wir entwickeln uns weiter, zeigen verschiedene Fassetten, haben aber immer einen klaren Wiedererkennungswert.

Allein durch die Masse ist es natürlich schwierig, mit allen zu kommunizieren. Trotzdem geben wir unser Bestes, um das Ohr an der Menge zu behalten. Dank Internet gelingt uns das ganz gut.

10
Euer Song Eisblumen vom Album Nord Nord Ost (2005) hat es in diesem Jahr, gecovert von der Nachwuchsband Eisblume mit Frontfrau Ria, in die Charts und damit ins Musik-TV gebracht. Die Coverversion kommt musikalisch zurückhaltender daher, zeichnet sich – wenn ich es recht besehe – durch ein Video im Stile zeitgenössischer Manga-Comics bzw. der Filmästhetik Tim Burtons aus. Von der Anerkennung bzw. gängigen Praxis, gecovert zu werden, einmal abgesehen: Wie steht die Band zu diesem plötzlichen Erfolg anderer mit eigenem Material? – Und sage bitte etwas zur wechselseitigen künstlerischen Zusammenarbeit mit Eisblume, die sich unterdessen ergeben hat.


Mit Eisblume ist etwas sehr ungewöhnliches passiert, das so auch nicht planbar gewesen wäre. Wir wurden schon vor geraumer Zeit gefragt, ob wir eine Coverversion dieses Titels erlauben würden. Wir wussten zu dieser Zeit nur, dass es eine weibliche Stimme sein würde. Das fanden wir spannend. Dann hörten wir eine Zeit lang nichts mehr von dem Projekt. Als wir erfuhren, dass das ganze Konzept von Sängerin Ria und ihrer Band unter dem Namen Eisblume an den Start gehen würde und Eisblumen die erste Single mit Video und allem drum und dran sein würde, waren wir schon erstaunt. Die Produzenten luden uns zu sich ein und daraus resultierte eine weitere Zusammenarbeit. Ich habe z.B. mitgeholfen, einige Texte des Albums zu überarbeiten und Eric hat auch eine Komposition zum Album beigesteuert. Es macht auch einfach mal Spaß, sich außerhalb von Subway To Sally künstlerisch zu betätigen.

Der Erfolg dieser Single freut uns natürlich, weil er auch zeigt, dass in unseren Liedern eine klare songschreiberische Qualität steckt. Das sind sehr durchdachte Kompositionen. Die Harmonik, die Melodik ist ganz ausgetüftelt und zum Teil sehr ungewöhnlich, auch wenn man das auf Anhieb vielleicht gar nicht hört.


Bodenski im Internet: www.bodenski.de

Subway To Sally im Internet: www.subwaytosally.com