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Fragen an IC Falkenberg

22.04.2009

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Stücke der Stern-Combo Meissen, die viele mit Art- bzw. Bombast-Rock verbinden und welche hierzulande ein Stück kulturellen Allgemeinguts sind, akustisch aufzubereiten, ist gewiss eine besondere Herausforderung, vielleicht sogar ein Wagnis. Wie entstand die Idee dazu? Worin liegt der Reiz, diese zum Teil Jahrzehnte alten Werke in dieser Form neu präsentieren?


Von wem genau die akustische Idee kam, kann man heute gar nicht mehr so genau sagen. Ich weiß noch, dass es irgendwann eine Idee von Martin gab, die Band in einer anderen Besetzung ins Rennen zu schicken, in einer kleineren Variante, vielleicht auch mit einem ganz anderen Ansatz. Ich hatte dann irgendwann die Idee eingebracht, aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit akustischer Musik, dass man während eines normalen Combo-Konzerts einen akustischen Teil einbauen könnte. Wenn Du als Band im Bandbus durch die Gegend fährst, wird so was immer mal wieder thematisiert. Manchmal konkretisiert sich etwas und etwas anderes fällt eben unten durch.

Die akustik-Idee konkretisierte sich dann so, dass man die Sache mal probieren wollte. Wir wollten sehen, was passiert, vor allem mit den Sachen, die aus den 70ern stammen. Denn in der Zeit wurden auch Songs geschrieben, die eine normale Songstruktur haben. Was würde also geschehen, wenn man die ganze "Wall of sound“ weglässt und die Songs auf das reduziert, was sie am Anfang immer sind, denn jeder Song beginnt mit einer Idee, mit einem Instrument und einem, der da singt. Irgendwie kam es dazu, dass sich ein Teil der Band gesagt hat: "Lasst uns doch endlich mal treffen und das ausprobieren“ und jeder war dazu gebeten. Der erste Song, den wir jammten, war Also was soll aus mir werden. Das ist ein Song, der im Original sehr fett arrangiert ist. Ein hervorragender Song, der typisch für den Stil der Stern-Combo zur damaligen Zeit war. Wir haben relativ schnell gemerkt, dass er immer noch funktioniert, wenn man einen Teil dessen, was es im Original an Arrangement gibt, weglässt. So haben wir uns langsam vorgetastet.

STERN - akustisch

STERN – akustisch, 2009

IC Falkenberg, Michael Behm, Alexander Prokop (von links)


In zwei Tagen jammten wir 8 Songs. Das Ganze geschah mehr auf Zuruf, denn es gab keine Liste oder so etwas, sondern beim Proben wurde gesagt: "Schau, hier klappt das. Lass uns das bei dem oder dem Lied auch mal probieren.“ Das verselbstständigte sich dann immer mehr, so dass sich schon nach relativ kurzer Zeit eine Art Stilistik herausbildete. Mittlerweile ist es so: Wir sitzen im Proberaum und schauen, wie sind die Harmonien, wie läuft der Song, und ein ganz wichtiger Punkt: Um was geht es in dem Song? Was die Umsetzung der Lieder, also diese Songs zu adaptieren, anbetrifft, sind wir inzwischen schneller und sicherer geworden. Der Reiz besteht ja schon in der Herausforderung. Diese Band hat in ihren 45 Jahren großartige Songs hervorgebracht. Eine neue Lesart zu finden, einen würdevollen Umgang zu pflegen, das ist eine Aufgabe, die nur spannend sein kann.

Und nicht zu vergessen, das Wichtigste: die Lust am Musizieren, also am Neuen. Es ist schön, die Songs in ihrer Ursprünglichkeit ohne "wall of sound“ zu interpretieren und zu erleben. Für mich gibt es da gar keine Zeittrennung. Der akustische Ansatz verbindet die Generationen. Weniger ist plötzlich mehr. Adaptionen liegen ja in der Tradition dieser Band, sind also eigentlich nichts Neues.

2
IC, stelle bitte die Musiker von STERN - akustisch vor.


Den Bass spielt Alexander Procop, er ist seit 1995 bei Stern. Michael Behm am Schlagzeug war in den Siebzigern bis Anfang der Achtziger dabei. Auch er kam 1995 wieder zur Band. Frank Nicolovius am Piano spielte seit 2003 Keyboards bei der Combo. Die Gitarre spielt Michael Lehrmann, wir standen in den Achtzigern gemeinsam bei Stern auf der Bühne.

Ich schätze an allen ihren Mut und vor allem sind sie liebenswerte Menschen und Kollegen. Der ehrliche und respektvolle Umgang miteinander zeichnet das Klima in dieser Band aus.

3
Im Zuge der Entstehung dieses Projekts ist es offenbar zu "unschönen Szenen" gekommen, letztendlich gehörst Du und gehören Michael Behm, Frank Nicolovius und Alexander Procop nicht mehr zur Stern-Combo Meissen – für beide Seiten gewiss ein Einschnitt. Auch Ihr hattet im Laufe der Jahre diese Band geprägt. Habt Ihr die Trennung unterdessen verwinden können oder ist ein Gefühl von Enttäuschung nach wie vor latent vorhanden?


Entsetzen und Unverständnis waren groß. Die Art und Weise unserer Entlassung ist ja in der heutigen Zeit nicht unüblich und somit für viele auch nachfühlbar. Ich habe schon einige Tage später das Gespräch mit Martin gesucht, um eine Situation zu vermeiden, die wir alle aus anderen Bandbiographien kennen.

Wir konnten einen Konsens finden. Es wurde uns gestattet, vorerst, also bis zum 31. Dezember 2009, unter dem Namen STERN - akustisch Konzerte zu geben und das geplante Album zu veröffentlichen. Fazit ist aber auch, bei funktionierender Kommunikation hätte man dieses ganze Desaster vermeiden können.

Wir würden gerne weiterarbeiten. Ich sehe auch keinen Grund warum wir das nicht tun sollten. Wir halten uns an die Absprachen.

4
Somit existieren derzeit 2 Bandprojekte, die sich - in welcher ästhetischen Form auch immer - mit Stern Meissen-Material beschäftigen. Die Frage ist, ob dies von Dauer sein kann und wird?


Wir konzentrieren uns jetzt auf die Konzerte und versuchen nicht daran zu denken, dass unsere Zeit vielleicht nur begrenzt sein wird.

5
Auch das Projekt Ostende von Dirk Zöllner und Dir bezog seinen Reiz nicht zuletzt aus raffinierten Coverversionen mit sehr speziellen Arrangements. Ist dieses Modifizieren und Neu-Produzieren von Musik eine besondere Neigung Deinerseits?


Darüber hab ich noch nicht nachgedacht. Jetzt wo Du es sagst …

6
Es haben unterdessen eine Reihe Live-Konzerte STERN - akustisch stattgefunden. Wie waren die Reaktionen des Publikums, habt Ihr Anerkennung und Bestätigung erfahren?


Dass die Leute uns so euphorisch aufgenommen haben, damit haben wir nicht gerechnet. Nicht einmal im Ansatz! Bei den bisherigen Konzerten, haben uns die Leute mit der Sympathie, die sie uns vom ersten Stück an entgegen brachten, und mit ihrer Offenheit und Sensibilität einfach umgehauen. Damit haben wir wirklich nicht gerechnet.

Das kannten wir von den Stern-Combo Meissen-Konzerten so nicht, denn die letzten Konzerte mit der Combo hatten mit Euphorie nicht mehr viel zu tun.


IC Falkenberg im Internet: www.icfalkenberg.de

STERN – akustisch bei MySpace: www.myspace.com/sternakustisch