Donnerstag, 12.09.2019, Leipzig, NAUMANNs

Four Roses, METALL


siehe auch: Konzert-Bericht bei Deutsche Mugge

Doppelkonzert im NAUMANNs Leipzig vereint Historie und Gegenwart

Auch ein Leben als Musiker kennt Momente der Veränderung, lange geplant oder plötzlich hereinbrechend. So oder so, es gilt, damit umzugehen, sich ins Benehmen zu setzen, wenn möglich, das Beste aus der neuen Situation zu machen. Die deutschlandweit bekannte, erfolgreiche Leipziger Coverband FOUR ROSES sah sich mit der Tatsache konfrontiert, dass Gründungsmitglied Heiko "Flecke" Flechsig bekannt gab, dem anstrengenden Touren gesundheitlich nicht mehr gewachsen zu sein und sich ab August 2019 beruflich verändern zu wollen. Selbstverständlich respektierte die ansonsten für eine stabile Besetzung bekannte Formation die Entscheidung ihres formidablen Klampfers. Nunmehr galt es allerdings, möglichst rasch jemanden zu finden, der die Ansprüche der verbleibenden Bandmitglieder musikalisch und menschlich erfüllen konnte. Da das Quartett generell gut gebucht ist, halfen befreundete Kollegen aus, keine Veranstalter enttäuschen zu müssen und während einer Reihe vertraglich zugesagter Auftritte das Interregnum an der Gitarre zu überbrücken, Jens Legler von KARUSSELL sowie Michael Wolter von STEAM seien hier genannt. Fündig im Sinne der Personal-Beschaffung wurde das aus Henri, Ingo und Thomas bestehende virulente Head-Hunter- bzw. Recruiting Team schließlich in Dresden: Rob Simon, Anfang zwanzig und (noch) Student an der Musikhochschule Carl Maria von Weber, besetzt ab sofort die vakante Stelle. Nicht zuletzt bedeutete dies für Robert, einen immensen Probe-Marathon zu durchlaufen.

Das erste Konzert in der neuen Besetzung war sogleich ein denkwürdiges, hing es doch mit einer spannenden historischen Konstellation zusammen, darunter machen es die "Rosen" nun mal nicht! Vor dreißig Jahren, als an FOUR ROSES noch nicht zu denken gewesen war, machte sich Thomas "Rose" Rosanski auf nach Berlin, um in der Hauptstadt sein musikalisches Glück zu finden. Berlin war zumindest damals, noch vor der Wende, für ambitionierte (Ost-)Rocker das Nonplusultra: Wer es zu etwas bringen, wer dazu gehören wollte, machte sich auf nach "Spreeathen", wo es angesagte Clubs gab (etwa den Berliner HEAVY CLUB Langhansstraße) und Radiosendungen wie "DT64" und die "Beatkiste" oder wo "elf99" erste, aus heutiger Sicht etwas schräge TV-Musikvideos produzierte. Berlin war, wie Thomas erzählte, das Tor zur Welt, Sitz der einzigen Plattenfirma und irgendwie auch nicht wie der Rest der Republik, besonders, wenn man Musik machen wollte. Thomas fand (unter anderem) Anschluss bei einer Metal-Band namens METALL und war 1989 dabei, als die ihren ersten Hit "Easy Rider" rausbrachten, der etliche Wochen auf Platz eins der Hitparade stand und bei "Stopp Rock" rauf und runter lief. In Adlershof und im ehemaligen Thälmann-Park entstand dazu ein Video von heute eher trashiger Anmutung. Eben jene Band, also METALL, hat sich im Jahre 2019 mal wieder neu erfunden und eine CD auf den Markt geworfen, die zweite erst seit Bestehen, der schon bald die dritte folgen soll. Als Bandleader fungiert der drahtige Sven Rappoldt, als Einziger von Anfang an dabei und schon aufgrund seines Alters mit natürlicher Autorität versehen. Sofern er nicht cool auf der Bühne herumsteht und ohne viel zu fragen den Bass zupft, gehört er zum Kollegium der Berliner Location "Halford", einem Treff von Rock- und Metal-Fans. - Derzeit tourt METALL, um das aktuelle Album zu promoten und, um Kumpels und Weggefährten wie Thomas zu treffen und unter dem Motto "Was haben wir getanzt ." alter Zeiten zu gedenken. 30 Jahre sind schließlich kein Pappenstiel!

Als passende Location für ein derartiges Projekt wurde das spärlich illuminierte Leipziger "NAUMANNs Leipzig" auserkoren, dass solche Herausforderungen gerne aufgreift, um nicht neben seinem großen Bruder, dem "Felsenkeller", unterzugehen. Es war an FOUR ROSES, erstmals in neuer Besetzung spielend, den Abend zu eröffnen. Wer es nicht weiß, dem wurde es jäh bewusst - nämlich, dass die Rosen durchaus auch im härteren Sinne zu rocken verstehen und dass das eine oder andere ihrer Arrangements internationaler Hits sehr wohl einer Metal-Band zur Ehre gereichen würde. Angesichts solcher Nummern auf der Setlist wie "Poison", "Perfect Strangers" oder "Turn The Page" nicht weiter verwunderlich. Rob Simon als neuer Flecke bzw. Gitarrist macht seine Sache vortrefflich. Er reiht sich nahtlos ein ins Band-Gefüge, unternimmt stilsicher erste solistische Ausflüge und auch die Posen, ohne die es körpersprachlich nicht geht, hat er bereits drauf! Man kann mithin von einem Glücksgriff sprechen und den Rosen zu ihrer Entscheidung nur gratulieren. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt, tanzwütige weibliche Fans beherrschten die Szenerie und himmelten einmal mehr Rose an, der ja bekanntlich das Flirten erfunden hat. Die Lautstärke war zum Glück ohne Hilfsmittel aus dem Sanitätsfachhandel auszuhalten, dafür machte unablässig wabernder Bühnennebel den Fotografen das Leben schwer. Eine gute Stunde währte der musikalisch inspirierende Vortrag der gut aufgelegten Lokalmatadore, die hier, der Vollständigkeit halber, namentlich nochmals erwähnt seien: Henri Dassler (drums), Ingo Paul (Bass), Rob Simon (E-Gitarre), Thomas Rosanski (Gesang, Gitarre).

Nunmehr war, nach einer halbstündigen Umbau-Pause, die Berliner Fraktion an der Reihe. Im Mittelpunkt deren Vortrags stand das aktuelle Album "METAL FIRE". Die noch verbliebenen Fans kamen in den ungetrübten Genuss des vollen Metal-Bretts mit allem, was dazu gehört und konnten ihrer Leidenschaft fürs Headbangen nachgehen. Die Show war im positiven Sinne routiniert, kam glaubhaft und handwerklich überzeugend rüber. Der noch junge Sänger Jol machte seine Sache gut. Die Bühne wurde mit den üblichen Intarsien drapiert. Einzig angesichts der ums drumset gewickelten Kette mit Totenköpfen vermochte sich der Verfasser dieser Zeilen nicht so recht zu entscheiden, ob dies nun ein Beitrag zum Gruseln oder Schmunzeln sein sollte. Musikalischer und auch optischer Höhepunkt der Show war die Präse des aufpolierten Vor-Wende-Opus "Easy Rider". Thomas Rosanski enterte behände die Stage, hatte sich die selbstgebaute E-Gitarre von damals umgeschnallt und rockte feste mit, derweil im Bühnenhintergrund das historische elf99-Video flimmerte. "The way we were" würde ein Amerikaner kommentieren und ins Taschentuch schnäuzen. Zum Schluss "drohte" Thomas gar damit, seine Klampfe stilecht ins Publikum oder in Richtung Bühnentechnik zu schleudern, ließ es aber denn doch bleiben. Line up METALL: Sven, Ben, Jol, Chris, Thäle.

Fazit: Die Besucher wurden Zeuge eines in vielerlei Hinsicht interessanten und bemerkenswerten Konzerts, welches musikalisch zu begeistern vermochte, mit echten Neuigkeiten aufwartete, exklusive Einblicke gewährte und überdies Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfte. Thomas Rosanski trug ein Übriges zum Gelingen bei, indem er das Catering aufhübschte, als er für alle im Backstage-Bereich Chili con Carne kochte.
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